Monika Brüning zum feierlichen Gelöbnis und der Vereidigung der Rekruten der Heeresfliegertruppe in der Jägerkaserne Bückeburg
Sehr geehrte Herren Kommandeure,
sehr geehrte Frau Bürgermeister,
liebe Soldaten,
werte Damen und Herren Gäste,
ich bedanke mich sehr herzlich für die Einladung zum feierlichen Gelöbnis und der Vereidigung der Rekruten der Heeresfliegertruppe in der Jägerkaserne Bückeburg.
Ich freue mich besonders über die Anwesenheit zahlreicher Familienangehöriger und Freunde der angetretenen Rekruten und Soldaten. Das zeigt mir, dass die Bundeswehr im Allgemeinen, aber auch die Wehrpflicht im Speziellen, über die Grenzen der Streitkräfte hinaus als Grundpfeiler unseres Staates akzeptiert werden.
Liebe Soldaten, die Wehrpflichtigen unter Ihnen werden heute geloben, die Freiwilligen schwören, unserem Land treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung berichten, dass Sie bei dieser Aufgabe in einer Bundeswehr dienen werden, in der sie zum einen der Kameradschaft in der Truppe und zum anderen dem Anspruch an ein hohes Engagement im Dienst durch eigenes Handeln gerecht werden können.
Auch in der Heeresfliegertruppe werden Sie Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen treffen. Sie werden sehr vielfältige Erfahrungen machen können, die Sie sicherlich schon im Laufe ihrer Ausbildung in Ansätzen kennen gelernt haben.
Ich ermutige Sie, diese Gelegenheit als Chance zu begreifen, Ihren eigenen Horizont zu erweitern und Ihre persönlichen Fähigkeiten in die Truppe einzubringen!
Meine Damen und Herren, gerade in Zeiten der Umgestaltung unserer Bundeswehr “und ich spreche in diesem Zusammenhang sowohl als Major der Reserve als auch als stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages”, ist es sehr wichtig, dass die auf neue Bedrohungslagen ausgerichtete Transformation in konzeptioneller und finanzieller Hinsicht einer klaren Linie folgt.
Die globalen Bedrohungslagen haben sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert.
Es steht außer Frage, dass unser Land und damit die politische und die militärische Führung auf diese neuen Entwicklungen reagieren müssen. Wir stehen vor der Auf-gabe, die Bundeswehr an die aktuellen und die zukünftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen anzupassen.
Wir leben in einer sich schnell verändernden Welt, was neue Wege der Problemlösungen verlangt. Auslandseinsätze bilden heute einen wichtigen Pfeiler im Einsatzspektrum aller Truppengattungen. Sie werden auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, ist über die gute, aufgabengerechte Ausbildung jedes einzelnen Soldaten hinaus eine qualitativ hochwertige Ausrüstung in der erforderlichen Menge Grundvoraussetzung für den Einsatz unserer Soldaten im Inland wie in Auslandsmissionen.
Denn hierbei geht es um ihre Sicherheit - im Extremfall um ihr Leben. Und dieses höchste Gut muss mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geschützt werden.
Immer neue Sparversuche, die auf dem Rücken der Soldaten ausgetragen werden, stehen jedoch häufig im Gegensatz zu diesen hohen Ansprüchen.
Liebe Soldaten, im Grundgesetz ist festgelegt, dass die deutschen Streitkräfte zur Verteidigung des Landes aufgestellt werden. Bei aller nötigen Neuorientierung dürfen wir deshalb nicht vergessen, dass die Hauptaufgabe der Streitkräfte auch weiterhin die Landesverteidigung bleiben muss.
Ob Wehrpflichtige, Reservisten, Berufs- oder Zeitsoldaten, gemeinsam können Sie in der Bundeswehr viel bewegen und es kann ihnen als Bürgern ermöglicht werden, einen wichtigen Beitrag für Ihr Land zu leisten.
Neben der traditionellen Landesverteidigung und den Auslandseinsätzen treten auch andere innere Herausforderungen in den Blickpunkt. Wir brauchen gar nicht allzu weit in die Vergangenheit zurückzublicken, um uns an die Verdienste der Bundeswehr in den Überschwemmungsgebieten von Oder und Elbe zu erinnern. Es ist wichtig, diese Hilfe auch mit einer reformierten, neu ausgerichteten Bundeswehr in Zukunft leisten zu können. Sicherlich stimmen Sie mit mir überein, dass Sicherheits- und Verteidigungspolitik nicht mehr nur in die traditionellen Aufgabenfelder einzugrenzen ist.
Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, müssen unsere Streitkräfte sowohl dem Spektrum vielfältiger Herausforderungen im Inland als auch den Friedensmissionen im Ausland gerecht werden können.
Verehrte Gäste und Soldaten, es ist unschwer zu erkennen, dass ich eine Befürworterin der Wehrpflicht bin und die Umwandlung in eine reine Berufsarmee kategorisch ablehne. Meiner Meinung nach ist unsere Armee nur mit integrierter Wehrpflicht in der Lage die eben angesprochenen Aufgaben im In- und Ausland zu erfüllen.
Ich verstehe die Wehrpflicht als ein Fundament unserer Demokratie. Man spricht nicht umsonst vom “Bürger in Uniform”.
Die Probleme, die mit der aktuellen Ausgestaltung der Wehrpflicht verbunden sind, müssen offen diskutiert werden. Ich bin aber überzeugt davon, dass mit dem nötigen Willen zur Veränderung auch die aktuell diskutieren Fragen zu meistern sind. Schließlich können wir bei der Wehrpflicht auf sehr gute Erfahrungen zurückgreifen. Das spricht eindeutig dafür, an diesem System festzuhalten und es fit für die Zukunft zu machen.
Aus aktuellem Anlass merke ich ausdrücklich an: Jeder Vorgesetzte hat besondere Pflichten und trägt deshalb auch eine besondere, außerordentliche Verantwortung. Recht und Gesetz müssen eingehalten werden, bei Verstößen jeder Art ist ohne Ansehen von Person und Dienstrang ein sofortiges Einschreiten geboten.
Instrumente wie Meldung, Beschwerde oder Eingabe an den Wehrbeauftragten haben sich bewährt. Sie sind geeignet, Missstände schnell aufzuklären und je nach Lage mit disziplinarischen Maßnahmen oder im extremen Fall durch Anwendung der Strafgesetze zu ahnden.
Die aktuell dienenden Wehrpflichtigen, aber auch die vielen vorangegangenen Jahrgänge, die ihren Dienst bereits geleistet haben, tragen ihre gesammelten Erfahrungen in die Mitte unserer Gesellschaft. Sie prägen damit das Bild unserer Bundeswehr und garantieren, dass die Bundeswehr auch weiterhin als Teil unseres Staates akzeptiert wird. Diese Möglichkeit dürfen wir nicht aufgeben!
Neben diesen ideellen Verankerungen sind aber auch praktische Aspekte als Argumente für die Wehrpflicht zu nennen. Wir verteidigen unser Land nicht nur in Afghanistan und im Kosovo. Neben dem breiten Aufgabenspektrum im Ausland ist es wie erwähnt notwendig, auch vielfältigen Anforderungen der Landesverteidigung gerecht zu werden. Die Verankerung von militärischen Grundkenntnissen in der Bevölkerung ist dafür eine wichtige Grundlage. Um dieses zu erreichen, gibt es keinen besseren Weg als die Wehrpflicht!
Gerade in Zeiten finanziell angespannter Haushalte ist es aus meiner Sicht unverständlich, gegen die Wehrpflicht zu argumentieren.
Die Begründung, dass eine Freiwilligenarmee weniger kosten würde, lehne ich ab - ich bin überzeugt, genau das Gegenteil wäre der Fall. Die Beispiele Frankreich und Großbritannien zeigen, dass diese Länder, die eine Berufsarmee haben, sehr viel mehr Steuergelder pro Kopf in die Armee investieren müssen, als dies Deutschland zur Zeit mit seinem bestehenden System tun muss, um einen vergleichbaren Standard zu erreichen. Die Erhöhung des technischen Standards unserer Streitkräfte wäre hierdurch aber nicht garantiert. Eine Umgestaltung hin zu einer reinen Berufsarmee in Deutschland würde entweder eine drastische - jedoch unrealistische - Erhöhung des Verteidigungshaushaltes oder eine weitere Reduzierung der Truppenstärke bedingen, was allerdings im Hinblick auf die Einsatzfähigkeit untragbar wäre.
Der heutige Tag ist ein sehr schönes Beispiel um zu verdeutlichen, dass die Wehrpflicht einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Nachwuchsgewinnung für unsere Streitkräfte leistet.
Neben den Rekruten, die heute ihr Gelöbnis ablegen, sind auch Soldaten auf Zeit zur Vereidigung angetreten. Können Sie sich vorstellen, wie viele Soldaten ohne den Grundwehrdienst ihren Lebensweg nicht mit der Bundeswehr in Verbindung gebracht hätten? Ohne die Wehrpflicht wäre ihnen keine Möglichkeit eröffnet worden, das Berufsbild eines Soldaten kennen zu lernen. Fast die Hälfte des Nachwuchses für höhere Dienstlaufbahnen wird unter Soldaten rekrutiert, die schon vorher den Wehrdienst absolviert haben.
Die hier angetretenen Soldaten sind der Beweis, wie sinnvoll das vorhandene System ist und dass es sich lohnt daran festzuhalten. Auch in dieser Hinsicht können die Berufsarmeen dieser Welt kein Vorbild sein - dort sind Rekrutierungsschwierigkeiten keine Ausnahmen, sondern an der Tagesordnung.
Die Wehrpflicht bildet die Grundlage für eine längere Dienstzeit. Ohne diese Soldaten wären die heutigen Auslandseinsätze undenkbar. Das hohe Ansehen der Bundes-wehr bei Friedensmissionen resultiert vor allen Dingen aus dem verantwortungsbewussten Handeln ihrer Soldaten.
Der “Staatsbürger in Uniform” ist am besten dazu in der Lage, dies auch weiterhin zu garantieren.
Die Mischung aus Wehrpflichtigen, Reservisten, Zeit- und Berufssoldaten steht für einen hohen Professionalisierungsgrad der deutschen Streitkräfte. Und ich glaube fest daran, dass es durch die gemeinsamen Anstrengungen aller politischen Akteure möglich ist, dieses erfolgreich bewährte System unserer demokratischen Gesellschaft in die Zukunft zu überführen.
Meine Damen und Herren, die Bundeswehr braucht die Wehrpflicht!
Ich danke den hier angetretenen Soldaten, dass Sie sich für die Bundeswehr entschieden haben und die Truppe mit Ihrer Persönlichkeit bereichern werden. Herausheben möchte ich zusätzlich die Soldaten, die sich für einen längeren Zeitraum vereidigen lassen.
Sie haben einen interessanten beruflichen Werdegang mit hoher Verantwortung vor sich. Als Abgeordnete des Deutschen Bundestages begreife ich es als meine Aufga-be, diese Entscheidung und auch den damit verbundenen Mut dadurch zu unterstützen, für Sie einzutreten um für Sie die bestmöglichen Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Als aktiver Reserveoffizier werde ich auch zukünftig, bei meinen regelmäßigen Wehrübungen, mein Ohr direkt an der Truppe haben.
In diesem Zusammenhang möchte ich ausdrücklich meine Freude darüber ausdrücken, dass der Standort Bückeburg auch zukünftig als Wiege der Heeresflieger erhalten bleibt.
Genau wie in den Standorten Nienburg, Neustadt und Wunstorf, die ich ebenfalls als Abgeordnete betreue, ist auch hier die Mehrzahl der Menschen darüber sehr froh. Kein Verständnis habe ich für Äußerungen eines streitbaren 69-jährigen, der “schweres Geschütz” gegen die Schule, das Hubschraubermuseum und die Politik auffährt. Mit der heimischen Presse bin ich einer Meinung, das ist wirklich “weit daneben gezielt”!
Abschließend möchte ich Ihnen folgendes mit auf den Weg geben: unser Land braucht Sie - egal ob Wehrpflichtiger, Reservist, Zeit- oder Berufssoldat!
Für Ihre Dienstzeit wünsche ich Ihnen alles Gute, interessante Aufgaben und den Elan, die gebotenen Möglichkeiten zu nutzen und sich persönlich weiterzuentwickeln. Ich bin sehr gern gekommen und freue mich, mit Ihnen an diesem feierlichen Ereignis teilzunehmen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
geschrieben: 30. November 2004 unter Reden.
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