Grußwort anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Rassegeflügelzuchtvereins Steinhude
Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Mitglieder des Rassegeflügelzuchtvereins Steinhude!
Laut schnatternde Gänse, so weiß es die Legende, bewahrten einst die Römer vor großem Ungemach. Die Gänse, die auf dem Kapitol zu Ehren der ranghöchsten Göttin Juno gehalten wurden, hatten eines Nachts im Jahre 388 vor Christi einen Trupp sich anschleichender Gallier bemerkt. Ihr Geschrei weckte die Wachsoldaten, die daraufhin den Angriff im Herzen der Stadt abwehren konnten.
Die Gans als Retter einer Stadt – das ist wohl kaum noch zu toppen. Und zeigt einmal mehr, dass die Bezeichnung ´dumme Gans´ nur dummes Gerede ist. Sie, liebe Mitglieder des Steinhuder Rassegeflügelzüchtervereins, wissen das natürlich. Unser heimisches Federvieh ist schließlich Ihr Metier. Und Ihr Verein kümmert sich nun schon 125 Jahre um Geflügel und seine Züchter. Ich freue mich, Ihnen zu Ihrem Jubiläum persönlich gratulieren und an Ihrer Feier teilnehmen zu können. Vereine, die kontinuierlich tätig sind, und Angebote, die auf die Interessen der Bürgerinnen und Bürger zugeschnitten werden, kann eine Gemeinde gar nicht genug haben.
125 Jahre ist es nun her, dass sich einige Steinhuder zusammenfanden, um einen Geflügelzüchterverein zu gründen. Sie wollten ihr Wissen und ihre Erfahrungen bündeln, sie wollten gemeinsam züchterische Erfolge erreichen, sie wollten ihre Interessen nach außen vertreten.
Im Lauf der Jahre haben die Motive der Züchter eine Wandlung erfahren und damit auch die Schwerpunkte Ihres Vereins. Wobei natürlich der Bezug zu Tieren, das Faible fürs Federvieh stets im Vordergrund stand und steht. Immerhin sind Tiere, sind Hühner, Enten und Gänse Wegbegleiter des Menschen von alters her. Zunächst war das Geflügel wohl mehr Kultobjekt, wie auch die Gänse auf dem Kapitol, doch bald wussten die Menschen seine Eier, sein Fleisch und seine Federn zu schätzen.
Und heute, in unserer technisierten, der Natur entfremdeten Welt schätzen es viele Menschen, wieder in direkten Kontakt mit Tieren zu kommen. Sie lassen sich gern darauf ein, ihre Tiere durch den natürlichen Jahresverlauf zu begleiten; sie mögen es, sie zu beobachten und dadurch neue Erfahrungen und Erkenntnisse zu gewinnen. Und sie setzen ihren Ehrgeiz darein, dass ihr Federvieh sich optimal entwickeln kann. Viele sehen es zudem als ihre Aufgabe an, für eine artgerechte Tierhaltung zu sorgen und zu werben.
Und nicht zuletzt wollen die Züchterinnen und Züchter durch ihr Handeln dazu beitragen, die Vielfalt der Geflügelrassen und damit die Vielfalt der Natur zu erhalten. Wir wissen heute, dass wir vorsichtig sein müssen bei Eingriffen in die Natur, dass es alles andere als zu vernachlässigen ist, wenn Arten aussterben, und dass kleinste Veränderungen in unserer Umwelt große Auswirkungen haben können. Geflügelzucht ist deshalb heute als Artenschutz und Arterhalt zu sehen.
Höhepunkt im Zuchtjahr sind natürlich die Jahresschauen. Wie gut Ihre Mitglieder da oft abgeschnitten haben, das zeigen die vielen Preise und Urkunden, die sie errungen haben. Solche Erfolge kommen nicht von ungefähr.
Hier Erfahrungen und Tipps auszutauschen ist wohl unabdingbar. Sie haben in Ihrem Verein ein Forum gefunden, um neue Erkenntnisse zu diskutieren, Erfahrungen zu vergleichen und ihr Wissen zu vertiefen. Sie haben in Ihrem Verein ein Forum gefunden, um sich gemeinsam auf die Jahresschauen vorzubereiten, aber auch, um gemeinsam Freizeit zu gestalten. Vereinsleben besteht schließlich nicht nur aus Qualitätsnoten und Organisation, sondern auch aus Geselligkeit und gemeinsamen Unternehmungen.
Ein ganz besonderes Anliegen ist es Ihnen – was ich zur Nachahmung nur begrüßen kann –, junge Menschen an den Umgang mit Tieren und an den Tierschutz heranzuführen. Schließlich sind Hühner, Enten und Gänse den Heranwachsenden längst nicht mehr so vertraut wie einst. Heute lernen viele Kinder Tiere, auch die Tiere ihrer heimischen Umgebung erst im Zoo kennen. Doch nach wie vor sind Kinder und Jugendliche begeistert, wenn sie ein Tier bekommen oder in seine Aufzucht einbezogen werden.
Täglich mit Tieren umzugehen ist bestens geeignet, eine Beziehung zur Natur aufzubauen und Umweltbewusstsein zu entwickeln. Unter Ihrer sachkundigen Anleitung erfahren die interessierten Heranwachsenden viel über Pflege und Haltung, unter Ihrer sachkundigen Anleitung machen sie erste züchterische Erfahrungen. Und lernen dabei ganz nebenher, Verantwortung zu übernehmen und Herausforderungen zu meistern.
Auch Ihre kleinen Züchterinnen und Züchter haben bereits Preise gewonnen. Und sie haben, was vielleicht noch wichtiger ist, ein Hobby gefunden, das ihre Freizeit nicht nur bestens ausfüllt, sondern das sie auch ihr ganzes Leben begleiten und ein Gegengewicht zu unserem oft hektischen und stressbehafteten Alltag bilden kann.
Denn der Umgang mit Tieren macht gelassen, wie Tierhalter immer wieder betonen. Und er gewährt viele neue Einblicke und Erkenntnisse. Wer weiß heute schon noch, dass sich Küken auch auf Menschen prägen lassen oder was es der Merkwürdigkeiten sonst noch gibt. Auch Sie können sicher so manche Anekdote erzählen über ein erstaunliches Verhalten Ihres Federviehs oder über denkwürdige Begegnungen von Mensch und Tier.
Und damit nun Sie Ihre Geschichten erzählen können, wünsche ich Ihnen weiterhin noch viel Freude bei der täglichen Begegnung mit Huhn oder Ente, Gans oder Pute sowie auch in Zukunft viele Erfolge.
geschrieben: 17. November 2007 unter Reden.
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