Monika Brüning

Mitglied des Deutschen Bundestages a.D.

Rede MdB Brüning anlässlich des 40. Jahrestages der Einführung des Waffensystems Transall C-160 in die Luftwaffe am 29. April 2008 auf dem Fliegerhorst Wunstorf



Anrede,
ich freue mich sehr, heute mit Ihnen zusammen den 40. Jahrestag der Einführung des Waffensystems Transall C-160 in unsere Luftwaffe zu feiern. Als Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages und Major der Reserve, aber auch als langjährige Bürgerin unserer Stadt Wunstorf ist es mir eine besondere Ehre , heute aus diesem Anlass hier am Standort des LTG 62 zu Ihnen sprechen zu dürfen.

Bereits Ende der 60er Jahre kreiste die „Transall C-160“ auch am Wunstorfer Himmel und prägt seither den Standort. Im Gegensatz zu den eher lauten Tönen von Noratlas sowie Do 27 und 28 empfinde ich die Geräusche der Transall als beruhigendes Summen.
Das in deutsch-französischer Zusammenarbeit gebaute Flugzeug hat sich nicht nur bei militärischen Transporten, sondern auch bei UN- und anderen Hilfsaktionen weltweit bewährt. Mit ihrer überlegten Konzeption und Ausführung war die Transall C-160 ideal für Kurz- und Mittelstreckenflüge geeignet. Zunehmend wurden dann mit ihr auch anfallende Langstreckentransporte übernommen. Mit einem robusten Fahrwerk, verbunden mit Kurzstart- und Kurzlandeeigenschaften, ist die Transall bestens geeignet, auch bei wenig befestigten Pisten eingesetzt zu werden. Dies trägt den unterschiedlichen Aufgaben und vielfältigen Einsatzaufträgen der Bundeswehr in besonderer Weise Rechnung.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Deutschlands Sicherheit ist untrennbar mit der politischen Entwicklung Europas und der Welt verbunden. Die Veränderungen der sicherheitspolitischen Lage, die gewachsene Verantwortung Deutschlands, seine internationalen Verpflichtungen in den Vereinten Nationen, der Nordatlantischen Allianz und der Europäischen Union haben dazu geführt, dass Deutschland zu einem der größten Truppensteller für internationale Friedensmissionen geworden ist. Seit Anfang der 90er Jahre beschreitet die Bundeswehr deshalb konsequent den Weg des Wandels zu einer Armee im Einsatz. Sie verändert sich dabei tiefgreifend. Seit den ersten Auslandseinsätzen in Kambodscha und Somalia hat sich die Bundeswehr und damit das Berufsbild unserer Soldaten grundlegend geändert. Die aktuellen Entwicklungen in Afghanistan führen uns täglich vor Augen, welchen neuen Einsatzrealitäten unsere Soldatinnen und Soldaten ausgesetzt sind.

Das heutige Einsatzumfeld ist gefährlicher geworden, darüber hinaus müssen neben rein militärischen zunehmend aber auch politische, humanitäre, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte berücksichtigt werden. Ich denke, dies ist Ihnen allen am hiesigen Standort in besonderer Weise bewusst.

Unsere Soldatinnen und Soldaten leisten eine hervorragende Arbeit. Dafür möchte ich heute meinen ganz persönlichen Dank aussprechen.

Unsere Gedanken sind aber auch heute bei den 59 Opfern der vier Maschinen, die unsere Luftwaffe in vier Jahrzehnten verlor. In besonderer Weise gedenken wir heute dabei der 10 Opfer der Transall 50+39 mit ihrem Kommandanten Vitus Lenz, die auf ihrem Flug nach Kaufbeuren am 11.05.1990 bei Lohr am Main abstürzte.

Die besondere Verbundenheit und Betroffenheit unserer Wunstorfer Bevölkerung und der Öffentlichkeit mit den Opfern des tragischen Unglücks drückte sich in einer bewegenden Trauerfeier aus, an der mehr als 4.000 Soldaten und Gäste Anteil am Leid der betroffenen Familien nahmen.

Durch ihre spezifischen Eigenschaften und Fähigkeiten ist die Luftwaffe für die Einsätze der Streikräfte von besonderer Bedeutung. Durch frühzeitige Präsenz bzw. abgestufte Wirkung kann eskalierend oder de-eskalierend auf Lageentwicklungen reagiert werden. Mit ihrer Befähigung zur Durchführung strategischer und taktischer Verlegungen von Personal und Material wird eine schnelle Einsetzbarkeit, Durchhaltefähigkeit und Versorgung gesichert.

Die Transportfähigkeiten unserer Luftwaffe stehen ganz wesentlich auch für den Erfolg der zahlreichen deutschen humanitären Einsätze. Hierbei sind unsere Transportflugzeuge vom Typ C-160 Transall durch ihre Hilfsflüge zum Sinnbild der weltweiten deutschen Hilfe geworden.

Auch die Wunstorfer Maschinen mit dem „Hans-Huckebein-Symbol“ sind in den vergangenen Jahrzehnten von unserem Fliegerhorst zu einer Vielzahl von Aufträgen in alle Welt gestartet.

Dieses Wappentier unterstreicht die Verbundenheit zur Region Steinhuder Meer in besonderer Weise. Die verbundenen Augen des Fabelwesens von Wilhelm Busch, der aus diesem Gebiet stammte, stehen sinnbildlich für den „Blindflug“ – das Fliegen nach Instrumenten - der mit Transportflugzeugen geübt und praktiziert wird.

Ob Minenräumen am Golf (1991), Waldbrandbekämpfung in Griechenland (1993), medizinische Versorgung in Kambodscha (1992/93) und Oderhochwasser in den neuen Bundesländern (1997) die Bundeswehr hat sich an zahlreichen Hilfs- und Katastropheneinsätzen beteiligt. Die Einsatzliste ist lang und vielfältig. Länder wie Marokko, Türkei oder Bangladesh finden sie ebenso auf ihr wie Irak, Afghanistan, Kongo, Pakistan oder Libanon.

Waren die Einsätze bis zu Beginn der 90er Jahre durch ein zumeist friedlich geprägtes Umfeld gekennzeichnet, so ist dieses durch die neuen sicherheitspolitischen Entwicklungen zunehmend gefährlicher geworden. Mit Beginn der Luftbrücke nach Sarajevo begann eine neue Qualität von Einsätzen. Die Besatzungen sahen sich einer latenten Bedrohung ausgesetzt. In den Morgenstunden des 4. Juli 1992 startete in Wunstorf die erste mit Hilfsgütern beladene C-160 nach Sarajevo. Am 6. Februar 1993 kam es dann zu dem Beschuss einer heimischen Transall, bei dem ein Wunstorfer Ladungsmeister schwer verletzt wurde.

Ergänzend zu den bis zum Januar 1996 andauernden Luftbrückeneinsätzen wurde die Versorgung von Flüchtlingen in Ostbosnien durch Abwürfe von Lebensmitteln aus großen Höhen sichergestellt.

Die Unterstützungsflüge in das Gebiet des ehemaligen Jugoslawien dauern bis heute im Rahmen verschiedenster Missionen wie KFOR oder EUFOR an. Im Rahmen von ISAF werden zusammen mit den Schwesterverbänden LTG 61 und 63 die Unterstützungsleistungen für Afghanistan sichergestellt.

In ihrer 40jährigen Geschichte ist die Transall C-160 mit ihrer Heimatbasis Wunstorf zu einem wichtigen Sinnbild in vielerlei Sicht geworden. Sie steht für deutsch-französische Zusammenarbeit, als Symbol der deutschen Hilfe und für die zahlreichen und vielfältigen Einsätze unserer Soldatinnen und Soldaten weltweit. Dieser historischen Leistung tragen wir am heutigen Tage mit diesem Appell Rechnung.

Kernaufgabe unseres Lufttransportgeschwaders 62 war und ist in besonderer Weise die Ausbildung des fliegerischen Nachwuchses. Die Anforderungen der Zukunft erfordern es, die Attraktivität der militärischen Pilotenlaufbahn so zu erhöhen, dass der erforderliche Bedarf sichergestellt werden kann. Dafür setze ich mich als Verteidigungspolitikerin persönlich ein.

Wenn auch die Transall C-160 ab 2011 vom Airbus A400M abgelöst wird, blickt sie schon heute auf ein erfülltes und beachtliches Flugzeugleben zurück. Trotz der bedauerlichen Verluste bei den angesprochenen tragischen Unglücken hat sich die Transall C-160 als äußerst zuverlässiges Transportflugzeug über vier Jahrzehnte erwiesen. Die Maschine ist in dieser Zeit nicht nur Piloten und Besatzungen ans Herz gewachsen, Menschen in aller Welt hat die Transall Hilfe und neue Hoffnung zugleich gebracht.

Ich wünsche unseren C-160 Besatzungen allzeit guten Flug und viele „happy landings“.