Gelöbnisrede von Monika Brüning am 21. Mai 2008 in der Wilhelmstein-Kaserne in Luttmersen
- Es gilt das gesprochene Wort -
Anrede
Als Abgeordnete des Deutschen Bundestages und als Mitglied des Verteidigungsausschusses ist es mir eine ganz besondere Ehre heute hier in der Wilhelmstein-Kaserne Luttmersen zu Ihnen sprechen zu dürfen. Sie, liebe Grundwehrdienstleistende, sind mit Ihren Angehörigen und Freunden gekommen, um gemeinsam einen ganz besonderen Tag in Ihrem Leben zu feiern: Die Ablegung des feierlichen Gelöbnisses.
Mit diesem Gelöbnis bekennen Sie sich zu Ihrem staatsbürgerlichen Auftrag, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Wir alle zollen Ihnen durch unsere persönliche Anwesenheit Respekt und Anerkennung für die Verpflichtung, der Sie im Dienst unserer Gesellschaft nachkommen wollen.
Zugegeben, es gibt heutzutage eine Vielzahl von Alternativen zum Wehrdienst. Doch Sie, liebe Rekruten, haben sich bewusst für den Dienst in der Bundeswehr entschieden. Damit bestärken Sie, dass die allgemeine Wehrpflicht nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft ist.
Mit der Gründung der Bundeswehr wurde eine demokratisch strukturierte Armee geschaffen, indem die allgemeine Wehrpflicht einen wichtigen Platz einnimmt. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass sie die beste Wehrform für unser Land ist. Durch die allgemeine Wehrpflicht steht die Bundeswehr im steten Austausch mit der Gesellschaft und ist fest in ihr verankert.
Unsere Bundeswehr ist eine Armee in der Demokratie. Für diese Parlamentsarmee tragen wir als Abgeordnete des Deutschen Bundestages eine hohe und besondere Verantwortung. – Und, unsere Soldatinnen und Soldaten bleiben Bürger ihres Staates – auch in Uniform! Meine Damen und Herren, feierliche Gelöbnisse unter den Augen der Öffentlichkeit sind eine bewährte Tradition unserer Bundeswehr. Sie unterstreicht das persönliche Selbstverständnis als „Staatsbürger in Uniform“ Dienst für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes zu leisten. Aber, auch diese Wehrform muss sich den Veränderungsprozessen unserer Gesellschaft anpassen. In einer besonderen Arbeitsgruppe bin ich persönlich mit dem Weiterentwicklungs- und Modernisierungsprozess der Wehrpflicht befasst. Vorrangiges Ziel bleibt dabei eine größtmögliche Wehrgerechtigkeit.
Liebe Rekruten, ich kann mir gut vorstellen, dass Sie in diesem Moment vieles bewegt. In den vergangenen zwei Monaten hat sich ihr Alltag deutlich verändert. Die Bundeswehr verlangt ihnen beruflich, körperlich und persönlich einiges ab; aber ich kann Ihnen versichern, sie wird Ihnen auch vieles geben. Sie werden feststellen, dass Sie Erfahrungen für ihr ganzes Leben gewinnen – und – vielleicht wird sich der Eine oder der Andere, wie viele Ihrer Vorgänger dafür entscheiden, länger bei der Bundeswehr zu bleiben.
Nur mit Ihnen, liebe Grundwehrdienstleistende, kann gewährleistet werden, dass die Bundeswehr erfolgreich arbeiten kann. Sie treten Ihren Dienst an, um die Sicherheit Deutschlands zu wahren und zu schützen. Sie treten ein für die Prinzipien unseres Grundgesetzes und sie treten ein für Recht und Freiheit.
Recht und Freiheit – diese wichtigen demokratischen Errungenschaften sind jedoch nicht selbstverständlich. Sie sind verletzliche Güter. Dieses haben im vorigen Jahrhundert viele Menschen auch in Deutschland am eigenen Leib erfahren müssen. Und der Blick hinaus in die Welt zeigt uns, dass in vielen Regionen diese Prinzipien durch die verschiedensten Formen der Gewalt unterdrückt werden. Instabilität, Armut und Krieg sind häufig die Folgen.
Die Bundesrepublik Deutschland setzt sich für Frieden, Sicherheit und Stabilität in der Welt ein. Internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus gehören zu unseren ständigen Herausforderungen. Die Veränderungen der sicherheitspolitischen Lage und die gewachsene Verantwortung Deutschlands haben dazu geführt, dass die Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen Jahren zu einem der größten Truppensteller für internationale Einsätze geworden ist. Dabei sind wir fest in die Vereinten Nationen, die Nordatlantische Allianz und die Europäische Union verankert.
Die Bundeswehr ist heute weltweit im Einsatz. Vom Balkan über Djibouti bis Afghanistan: In den zahlreichen Krisenregionen sind derzeit circa 7000 Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz – und - sie leisten eine hervorragende Arbeit. Hierfür gilt unseren Soldatinnen und Soldaten aber auch ihren Angehörigen ein ganz besonderer Dank.
Als Abgeordnete des Deutschen Bundestages stehen wir ständig vor weitreichenden Entscheidungen über die Belange unserer deutschen Soldatinnen und Soldaten. Liebe Grundwehrdienstleistende, also auch über Ihre Belange! Aus diesem Grund sind mir meine persönlichen Erfahrungen in der Bundeswehr besonders wichtig. Durch meinen Einsatz als Soldatin - ich bin selbst Major der Reserve - kann ich bestimmte Situationen und Anliegen besser verstehen und beurteilen. Ich versichere Ihnen, wir setzen uns dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für Ihre Arbeit ständig verbessert werden und Sie in der Gesellschaft die erforderliche Anerkennung und Rückendeckung finden. Und, das kann ich Ihnen versichern, ist nicht immer einfach.
Die notwendige Modernisierung der Kasernenunterkünfte war uns Abgeordneten deshalb ein besonderes Anliegen. Mit Nachdruck haben wir auf eine Verbesserung der Lage hingewirkt. Ein erster Erfolg dieses Engagements ist die Einleitung des Sonderprogramms „Sanierung Kasernen West“ durch Verteidigungsminister Franz Josef Jung, von dem zum Beispiel auch der Standort Luttmersen mit einem zweistelligen Millionbetrag profitiert.
Mit viel Engagement haben wir Verteidigungspolitiker uns für die kürzlich erfolgte Wehrsolderhöhung von 2 Euro pro Tag erfolgreich eingesetzt. Nach langen Jahren des Stillstands war dieses eine wichtige Verbesserung für alle Wehrpflichtigen.
Aber es liegen noch viele Aufgaben vor uns. An dieser Stelle nenne ich:
- Die ständige Anpassung der sachgerechten Ausrüstung der Truppe im In- und Ausland,
- die umfassende Betreuung der Familienangehörigen von Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz und die Umsetzung der Teilkonzeption Familie und Beruf,
- letztlich nenne ich als mein ganz persönliches großes Ziel, die Entwicklung einer speziellen Soldatenbesoldung, die den besonderen Anforderungen des Soldatenberufs besser gerecht wird
Liebe Rekruten, Sie leisten mit Ihrem Dienst einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der Einsätze der Bundeswehr im Ausland und zur Aufrechterhaltung ihres Grundbetriebes im Inland. Sie tragen eine hohe Verantwortung. In wenigen Minuten werden sie aufgenommen in die Gemeinschaft der Soldatinnen und Soldaten. Ich versichere Ihnen, Sie haben eine gute Entscheidung getroffen!
Für Ihre Zeit in der Bundeswehr wünsche ich Ihnen von Herzen viel Soldatenglück und wertvolle Erfahrungen für Ihren weiteren Lebensweg.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
geschrieben: 21. Mai 2008 unter Reden.
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