Grußwort zum Handwerk in Europa anlässlich der Ciling-Center-Eröffnung in Großburgwedel
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, heute als Gastrednerin zu Ihnen über ein sehr komplexes Thema sprechen zu dürfen – „Die Rolle des Handwerks in Europa“.
In diesem Zusammenhang verstehe ich mich nicht nur:
- als Bundestagsabgeordnete in der nördlichen Region Hannover und
- als Unterstützerin des regionalen und des deutschen Handwerks,
sondern vor allem auch als leidenschaftliche Europäerin.
Meine Damen und Herren,
neben der freundlichen Einladung von Herrn Lalk zu dieser heutigen Neueröffnung und einer positiven Einstellung zum regionalen Handwerk ist es Europa, ist es unser gemeinsamer Kontinent, der uns alle hier verbindet. Es sind die Werte, es ist das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Werk der Europäischen Union, das uns seit mehr als fünfzig Jahren Sinn und Ziel gibt. Sicher: Globalisierung und der europäische Binnenmarkt haben sich verändert im Laufe der Zeit. Aber die Bedeutung der EU für unser Zusammenleben in Frieden und Freiheit, die bleibt. Sie ist das Maß aller Dinge. Mit dem Vertrag von Lissabon stehen wir aktuell vor einem neuen Schritt im Europäischen Integrationsprozess.
Mit über 480 Millionen Einwohnern, einem gemeinsamen Binnenmarkt sowie dem Euro als einheitlicher Währung in 15 Ländern sind wir eine Wirtschaftsgroßmacht. Ziel ist es, mit den USA und Japan, aber auch mit China und Indien technologisch und wirtschaftlich auf Dauer mitzuhalten. Denn wirtschaftliche Dynamik ist die Voraussetzung für eine zukunftsfähige Europäische Union.
Voraussetzung dafür ist auch eine offene Marktwirtschaft, die freies Unternehmertum garantiert. In Deutschland nennen wir sie „Soziale Marktwirtschaft“, im Sinne von: „Sozial ist, was Arbeit schafft“. Zu denen, die diese Arbeitsplätze schaffen, gehören vor allem die vielen Handwerksbetriebe. Sie sind das Herzstück der deutschen Volkswirtschaft. Und das ist gut so!
Meine Damen und Herren,
kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind für Wachstum und Arbeitsplätze von fundamentaler Bedeutung: Sie machen in der Europäischen Union 99% aller Unternehmen aus. In Zahlen sind das knapp 23 Millionen Unternehmen mit 75 Millionen Arbeitsplätzen. In Deutschland sind bei 3,5 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen und Selbständigen rund 20 Millionen Menschen beschäftigt. Das Handwerk bildet dabei die tragende Säule. Der Mittelstand ist zur Konjunkturlokomotive geworden. Auch die Zahl der Handwerksbetriebe hat weiter zugenommen.
Meine Damen und Herren,
Europa ist ohne die kleinen und mittleren Betriebe des Handwerks wahrhaft nicht vorstellbar. Nur mit einem starken Handwerk, mit Betrieben, die Mitarbeiter einstellen und Lehrlinge ausbilden, schaffen wir auch ein wirtschaftlich starkes und damit soziales Europa.
Natürlich kann man unseren Betrieben nicht grundsätzlich die Sorge vor einem härteren Wettbewerb in einem erweiterten Europa nehmen. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Europäische Union und der Euro-Raum ungeheure Chancen für unser Handwerk bereithält – Stichwort Einkauf und neue Absatzmärkte. Denn unsere Wertarbeit wird bei steigendem Wohlstand z.B. in Osteuropa vermehrt nachgefragt werden. Und wir müssen uns auch der Konkurrenz etwa aus Asien stellen. In Deutschland sagen wir immer: Wir können nur teurer sein, wenn wir auch besser sind! Und das erreichen wir über Bildung und Qualifizierung in einem vereinten Europa. Machen wir uns also die Chancen zunutze, die ein großer europäischer Binnenmarkt bietet.
Meine Damen und Herren,
ein Sprichwort sagt: „Nur wer sich ändert, bleibt bestehen“. Das gilt auch für das Handwerk in einem sich wandelnden Europa. Wer, wenn nicht das europäische Handwerk könnte das besser als alle anderen Wirtschaftszweige.
geschrieben: 24. Mai 2008 unter Reden.
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