Gelöbnisrede MdB Brüning in der Wilhelmstein-Kaserne Luttmersen am 19. September 2008
- Es gilt das gesprochene Wort -
Anrede
Sie, liebe Grundwehrdienstleistende, sind heute mit ihren Angehörigen und Freunden nach Luttmersen gekommen, um gemeinsam einen ganz besonderen Tag in ihrem Leben zu feiern: Die Ablegung des feierlichen Gelöbnisses!
Glauben sie mir, ich kann nachvollziehen wie es ihnen im Moment geht. Als Major d. R. habe ich selbst vor einigen Jahren an ihrer Stelle gestanden und weiß, was ihnen im Moment wahrscheinlich alles durch den Kopf geht. Es ist mir deshalb eine ganz besondere Ehre heute hier zu ihnen sprechen zu dürfen.
Mit dem feierlichen Gelöbnis bekennen Sie sich zu ihrem staatsbürgerlichen Auftrag, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Wir alle zollen ihnen durch unsere persönliche Anwesenheit Respekt und Anerkennung für die Verpflichtung, der sie im Dienst unserer Gesellschaft nachkommen wollen.
Zugegeben, es gibt heutzutage eine Vielzahl von Alternativen zum Wehrdienst. Doch sie, liebe Rekruten, haben sich bewusst für den Dienst in der Bundeswehr entschieden. Damit bestärken sie, dass die Allgemeine Wehrpflicht nach wie vor ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft ist.
Mit der Gründung der Bundeswehr wurde eine demokratisch strukturierte Armee geschaffen, in der die Allgemeine Wehrpflicht einen wichtigen Platz einnimmt. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass sie die beste Wehrform für unser Land ist.
Durch die Allgemeine Wehrpflicht steht die Bundeswehr im steten Austausch mit der Gesellschaft und ist fest in ihr verankert. Unsere Bundeswehr ist eine Armee in der Demokratie und unsere Soldatinnen und Soldaten bleiben Bürger ihres Staates – auch in Uniform!
Mit dem Grundsatz des „Primates der Politik“ hat Deutschland aus den leidvollen Erfahrungen im Nationalsozialismus gelernt.
Die Schlüsselrolle bei der Kontrolle und der Entscheidung über den Einsatz der Bundeswehr weist unser Grundgesetz dem Bundestag zu – und begründet damit das Selbstverständnis der Truppe als „Parlamentsarmee“. Für diese Parlamentsarmee tragen wir als Abgeordnete des Deutschen Bundestages eine hohe und besondere Verantwortung.
Liebe Rekruten, meine Damen und Herren, feierliche Gelöbnisse unter den Augen der Öffentlichkeit sind eine bewährte Tradition unserer Bundeswehr. Sie unterstreichen das persönliche Selbstverständnis als „Staatsbürger in Uniform“ Dienst für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes zu leisten.
Aber, auch diese Wehrform muss sich den Veränderungsprozessen unserer Gesellschaft anpassen. In einer besonderen Arbeitsgruppe im Deutschen Bundestag bin ich deshalb persönlich mit dem Weiterentwicklungs- und Modernisierungsprozess der Wehrpflicht befasst und setze all meine Kraft daran, dass hierbei die Wehrgerechtigkeit eines der vorrangigen Ziele für uns bleibt.
Liebe Grundwehrdienstleistende, ich kann mir gut vorstellen, dass sie in diesem Moment vieles bewegt. Seit dem 01. August hat sich ihr Alltag spürbar verändert. Die Bundeswehr verlangt ihnen beruflich, körperlich und persönlich einiges ab. In zwei Wochen werden sie ihre Grundausbildung abgeschlossen haben und dann steht ein neuer Abschnitt ihrer Grundwehrdienstzeit vor ihnen.
Doch, ich kann ihnen versichern, die Bundeswehr wird ihnen einiges mitgeben. Sie werden feststellen, dass Sie Erfahrungen für ihr ganzes Leben gewinnen – und – vielleicht wird sich der Eine oder der Andere von ihnen - wie viele Ihrer Vorgänger - dafür entscheiden, länger bei der Bundeswehr zu bleiben. Ich würde mich sehr darüber freuen!
Der Soldatenberuf steht in Konkurrenz zu vielen anderen Berufsmöglichkeiten. Es ist ein vielseitiger und anspruchsvoller Beruf. Unsere Gesellschaft braucht jeden Einzelnen von ihnen, der bereit und fähig ist, sich den verantwortungsvollen Aufgaben eines Soldaten, einer Soldatin, zu stellen. Hierzu ist der Grundwehrdienst ein erster möglicher Schritt.
Mit ihrer Unterstützung kann gewährleistet werden, dass die Bundeswehr erfolgreich arbeiten und ihrem verantwortungsvollen Auftrag im In- und Ausland nachkommen kann. Sie treten ihren Dienst an, um die Sicherheit Deutschlands zu wahren und zu schützen. Sie treten ein für die Prinzipien unseres Grundgesetzes- und - sie treten ein für Recht und Freiheit.
Recht und Freiheit – diese wichtigen demokratischen Errungenschaften sind jedoch nicht selbstverständlich. Sie sind verletzliche Güter. Dieses haben im vorigen Jahrhundert viele Menschen - auch in Deutschland - am eigenen Leib erfahren müssen.
Und der Blick hinaus in die Welt zeigt uns, dass in vielen Regionen diese Werte mit Füßen getreten und durch die verschiedensten Formen von Gewalt unterdrückt werden. Instabilität, Armut und Krieg sind häufig die Folgen.
Die Bundesrepublik Deutschland setzt sich für Frieden, Sicherheit und Stabilität in der Welt ein.
Internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus gehören zu unseren ständigen Herausforderungen.
Die Veränderungen der sicherheitspolitischen Lage und die gewachsene Verantwortung Deutschlands haben dazu geführt, dass die Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen Jahren zu einem der größten Truppensteller für internationale Einsätze geworden ist. Dabei sind wir fest in die Vereinten Nationen, die Nordatlantische Allianz und die Europäische Union verankert.
Die Bundeswehr ist heute weltweit im Einsatz. Vom Balkan über Djibouti bis nach Afghanistan: In den vielfältigen Krisengebieten sind derzeit circa 7000 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz – und - sie leisten eine hervorragende Arbeit!
Hierfür gilt unseren Soldatinnen und Soldaten und natürlich auch ihren Angehörigen ein ganz besonderer Dank. Denn gerade sie, liebe Angehörige - müssen auf ihre Familienmitglieder oft lange Zeit verzichten und getrennt voneinander leben.
Erlauben sie mir, an dieser Stelle ganz besonders ihre Kameradinnen und Kameraden in Afghanistan anzusprechen. Ihnen gebührt dieser Tage unsere ganz besondere Aufmerksamkeit.
Die Sicherheitslage in Afghanistan ist nach wie vor angespannt und es liegen große Herausforderungen vor uns. Das Attentat auf eine deutsche Patrouille vor einigen Wochen, bei dem Micha Meyer ein 29jähriger Soldat aus Zweibrücken ums Leben kam ist schrecklich.
Aber, lassen sie es mich auch ganz deutlich sagen. Debatten, die unseren Einsatz in Afghanistan in Frage stellen bis hin zu geschmacklosen Verunglimpfungen von Bundeswehrsoldaten (Stichwort: Bamm-Plakat) helfen uns nicht weiter!
Sie gefährden unsere Soldatinnen und Soldaten – und - sie spielen den Kräften zu, die alles daran setzen eine friedliche und stabile Entwicklung in Afghanistan zu verhindern.
Im Herbst 2008 steht im Bundestag die Abstimmung über die Verlängerung der Mandate ISAF und OEF an. Beide Mandate sind unverändert von großer Wichtigkeit.
Als Abgeordnete des Deutschen Bundestages stehen ich ständig vor weitreichenden Entscheidungen über die Belange unserer deutschen Soldatinnen und Soldaten. Liebe Grundwehrdienstleistende, also auch über ihre Belange!
Aus diesem Grund sind mir meine persönlichen Erfahrungen in der Bundeswehr besonders wichtig. Durch meinen Einsatz als Soldatin kann ich bestimmte Situationen und Anliegen besser verstehen und beurteilen.
Ich versichere ihnen, die Abgeordneten des Deutschen Bundestages setzen sich dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für Ihre Arbeit ständig verbessert werden und die Soldaten in der Gesellschaft die erforderliche Anerkennung und Rückendeckung finden. Und das – können sie mir glauben - ist nicht immer einfach.
Die notwendige Modernisierung der Kasernenunterkünfte war uns Abgeordneten deshalb ein besonderes Anliegen. Mit Nachdruck wurde hier auf eine Verbesserung der Lage hingewirkt. Ein erster Erfolg ist die Einleitung des Sonderprogramms „Sanierung Kasernen West“ durch Verteidigungsminister Franz Josef Jung gewesen.
Von diesem Programm profitiert auch der Standort Luttmersen mit einem zweistelligen Millionbetrag.
Mit viel Engagement haben wir Verteidigungspolitiker uns erfolgreich für die kürzlich erfolgte Wehrsolderhöhung von 2 Euro pro Tag eingesetzt. Nach langen Jahren des Stillstands war dieses eine wichtige Verbesserung für sie als Wehrpflichtige.
Doch es liegen noch viele Aufgaben vor uns. Hier sei erwähnt:
- Die ständige Anpassung der sachgerechten Ausrüstung der Truppe im In- und Ausland,
- die umfassende Betreuung der Familienangehörigen von Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz sowie die Umsetzung der Teilkonzeption Familie und Beruf,
- und nicht zuletzt nenne ich eines meiner ganz persönlichen großen Ziele, die Entwicklung einer speziellen Soldatenbesoldung, die den besonderen Anforderungen des Soldatenberufs besser gerecht wird.
Liebe Rekruten, sie leisten mit ihrem Dienst einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der Einsätze der Bundeswehr im Ausland und zur Aufrechterhaltung des Grundbetriebes im Inland. Sie tragen eine hohe Verantwortung.
In wenigen Minuten werden sie aufgenommen in die Gemeinschaft der Soldatinnen und Soldaten. Ich versichere ihnen, sie haben eine gute Entscheidung getroffen!
Für ihre Zeit in der Bundeswehr wünsche ich ihnen von Herzen viel Soldatenglück, wertvolle Erfahrungen und Gottes Segen für ihren weiteren Lebensweg.
Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit!
geschrieben: 19. September 2008 unter Reden.
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